Programm

Gaidao-Sonderausgabe mit ausführlichem, kommentiertem Programm 2019: Qualitätsoptimiertes PDF für schnelleren Download (6,9 MB)

Programmübersicht

Freitag, 10.05.2019
im Jugendkulturzentrum forum, Neckarpromenade 46, 68167 Mannheim

ab 18:00 Uhr
Schlafplatzbörse

ab 20:00 Uhr
Deckname Jenny, Geschichte wird Film – Geschichte ist jetzt – Film im Widerstand
Der politische Spielfilm über eine militante Anarchist*innen wirft nicht nur inhaltliche Fragen auf, sondern auch welche Filme im anarchistischen Milieu überhaupt möglich sind. Im Anschluss Diskussion mit Regie & Buch. Zur Website.

Samstag, 11.05.2019
im Jugendkulturzentrum forum, Neckarpromenade 46, 68167 Mannheim

9:30 bis 20:00 Uhr: Messebetrieb

10:00 Uhr
Raum 1:
Aktionen für eine Zukunft ohne Autos: Verkehrswende, Nulltarif, Fahrradstraßen
Workshop mit Jörg Bergstedt
Raum 2:
„Neue Klassenpolitik“ – Übersicht über eine linke Debatte
Buchvorstellung und Diskussion mit Torsten Bewernitz

11:30 Uhr
Raum 1:
„From Democracy to Freedom“ – Der Unterschied zwischen Regierung und Selbstbestimmung (CrimethInc.)
Lesung und Diskussion mit Hanna Poddig
Raum 2:
Blues der Städte. Die Bewegung 2. Juni – Eine sozialrevolutionäre Geschichte.
Lesung mit Roman Danyluk

13:00 Uhr
Raum 1:
Anarchistische Perspektiven auf aktuelle (feministische) Diskurse
Vortrag und Diskussion mit Antje Schrupp
Raum 2:
Figuren der (Anti-)Politik im Anarchismus. Auf der Suche nach einem paradoxen Politikverständnis.
Vortrag und Diskussion mit Jonathan Eibisch

14:30 Uhr
Raum 1:
Adorno und die Ajatollahs: Kritische Theorie, Zionismus und das iranische Regime
Vortrag von Stephan Grigat
Raum 2:
Wegbereiterinnen. Berühmte, bekannte und zu Unrecht vergessene Frauen aus der Geschichte.
Buchvorstellung mit Gisela Notz

16:00 Uhr
Raum 1:
DELETE – digitalisierte Fremdbestimmung
Vortrag und Diskussion mit Lars Wehring (Gruppe çapulcu)
Raum 2:
Biere, Tiere, Anarchie – Jaroslav Hašek
Lesung mit Rolf Cantzen

17:30 Uhr
Raum 1:
Herrschaftsfrei statt populistisch – Aspekte anarchistischer Gesellschaftskritik
Vortrag und Diskussion mit Michael Wilk
Raum 2:
Ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert. Interviews und Gespräche.
Lesung und Diskussion mit Bernd Drücke

19:00 Uhr
Raum 1:
Der Krieg um Rojava und die Rolle Deutschlands
Lagebericht von Anselm Schindler
Dieser Vortrag fällt leider aus. Stattdessen gibt es folgenden Ersatz:
Abdullah Öcalan: Manifest der demokratischen Zivilisation
Lesung und Diskussion mit dem Übersetzer Reimar Heider
»Kapitalismus ist nicht Wirtschaft, sondern Herrschaft.« Im zweiten Band seines fünfteiligen  Werkes kritisiert Öcalan die kapitalistische Moderne als vorläufigen Endpunkt der Geschichte und weitet dabei den Blick auf die zugrunde liegenden Strukturen aus. Ausgehend von den Analysen Fernand Braudels kritisiert er den Kapitalismus als eine Verirrung, die niemals fortschrittliches Potenzial besaß, sondern prinzipiell die Gesellschaft im Inneren zerstört, und beschreibt im Weiteren dessen reaktionäre Entwicklung durch die Idee des Nationalstaats, den historischen Nationalismus und den Faschismus.
Seine aktuelle Form als kapitalistische Moderne beschreibt Öcalan in der Dreiecksbeziehung von Monopolkapitalismus, digitaler Industrialisierung und Finanzwirtschaft.
Reimar Heider, der Übersetzer dieses zweiten Bandes, wird im Vortrag verstärkt auf Rojava eingehen.
Raum 2:
Im Untergrund & Endgültige Erledigung, zwei Auszüge aus dem Roman „Air.Berlin“
Lesung und Diskussion mit Olaf Arndt und Janneke

Abendprogramm

ab 20:00 Uhr
Geschichtswerkstatt Altes Volksbad, Mittelstraße 42, Mannheim:
Konzert mit
Die Rauchenden Spiegel (Band, Mannheim)
Electric Meditation (Psychedelic Post-Krautrock, Schwetzingen)

ab 21:00 Uhr
Wild West, Alphornstraße 38, Mannheim:
Wild West-Barabend

ab 20:30 Uhr
Einraumhaus, Dammstraße 1 (Alter Meßplatz), Mannheim:
Unicorn Partisans (Leipzig/ Murmansk)
DiscoPunk vs TechnoCrust
bestehend aus dem Guts Pie Earshot-Schlagzeuger (Leipzig ) Scheng-Fou und Tan-Ya (Murmansk) von Принуждение к миру (Peace Enforcement)
queere anarcha Texte auf deutsch, englisch und russisch mit viel Witz und Ironie, Kritik und Selbstkritik… gesprochen, geschrien und gesungen… gemixt mit harten Beats, verzerrten Sounds und verspielten Melodien.
Tanzbar und mit einem grossen Augenzwinkern.
Ihr erster Cover Track „Take care of each other“ ist auf dem im Mai erscheinenden 20 Jahre Sampler von Früchte des Zorns zu hören.
dance, fight and glitterize!

ab 20:30 Uhr
Jugendkulturzentrum forum, Neckarpromenade 46, Mannheim:
Heimat – Eine Besichtigung des Grauens
Ein Anti-Heimatabend von und mit Thomas Ebermann und Thorsten Mense
Heimat boomt. Ihre Allgegenwart markiert das Grundrauschen der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung. Kein Begriff siedelt so nahe an der Volksgemeinschaft wie dieser. Er gehört den Rechten und ist ohnehin nur Statthalter in einer Zeit, in der »Blut und Boden« so ohne weiteres nicht mehr propagiert werden können.
Das und vieles mehr – das Absurde und das Gefährliche – wird an diesem Abend auf Bühne und Leinwand besichtigt und vorgeführt, nachgespielt und kommentiert, analysiert und in die Tonne getreten. Stets parteiisch auf der Seite der historischen und zukünftigen Opfer der Heimat.

Sonntag, 12.05.2019
im Jugendkulturzentrum forum, Neckarpromenade 46, 68167 Mannheim

9:30 bis 17.00 Uhr: Messebetrieb

10:00 Uhr
Raum 1:
Mujeres Libres. Libertäre Kämpferinnen im Spanischen Bürgerkrieg
Buchvorstellung mit Vera Bianchi und Renée Steenbock
Raum 2:
Wir brauchen keine Konzession und wir machen auch keine – Zur Entstehung Freier Radios in Deutschland
Ein bisschen Vortrag von Jan Bönkost mit ­Audioschnipseln politischer Piratensender

11:30 Uhr
Raum 1:
Wie und wann werden wir mehr Anarchist*innen?
Vortrag und Diskussion mit Chico und Groucho / MBM – Marx-Bros-Movement
Raum 2:
Clara Wichmann – vom revolutionären Elan. Beiträge zu Emanzipationsbewegungen 1917-1922
Buchvorstellung mit Renate Brucker

13:00 Uhr
Raum 1:
Selbstorganisierung und militante Intervention bei Amazon in Polen (und anderswo)
Vortrag und Diskussion mit Ralf Ruckus
Raum 2:
Konkrete Utopien – Unsere Alternativen zum Nationalismus
Buchvorstellung mit Dr. Alexander Neupert-Doppler

14:30 Uhr
Raum 1:
Neues aus dem Hambacher Forst
Vortrag und Diskussion mit Waldbewohner*innen
Raum 2:
Warum sollten Anarchist*innen Marx lesen?
Vortrag und Diskussion mit Klaus Kempter

16:00 Uhr
Raum 1:
Kameraüberwachung in Mannheim – Angriff des Postfaktischen
Vortrag und Diskussion mit ­Aktivisten der George Orwell Ultras
Raum 2:
B. Traven war Ret Marut – ein Räterevolutionär wird zum bekanntesten zeitgenössischen Autor deutscher Sprache
Vortrag und Diskussion mit Ralf G. Landmesser

Zusatzveranstaltungen

Samstag, 11.05.2019 · 13:00 Uhr
Raum 3:
FSB Tortures or Long Wave of Repressions against Anarchists in Russia (FSB Folter oder die lange Welle der Repression gegen AnarchistInnen in Russland)
Vortrag in englischer Sprache und Diskussion mit Tanya
Being an anarchist was never easy in Russia or wherever else. Nowadays to be critical to government in Putin’s country is danger as for political activists, also for any angry people. From second half of 2017 a new, long and non-stop wave of repressions is going against anarchist, people associated as anarchists and those showing solidarity with repressed. We are talking not about one case, but about tendency to arrest, hardly torture, force to cooperate and pushing out from the country an anarchist movement in Russia. What is going on? How to show solidarity? Is there still any kind of anarchist movement left? And any other questions about situation in Russia that you always wanted to ask.
(Anarchist_in zu sein war nie einfach in Russland, und auch nicht anderswo. Heutzutage in Putin‘s Land der Regierung gegenüber kritisch zu sein ist gefährlich, sowohl für politische Aktivist_innen, als auch für alle anderen wütenden Leute. Seit der zweiten Hälfte des Jahres 2017 ging eine lange und nicht endende Welle der Repression los: gegen Anarchist_innen, Leute, die mit Anarchist_innen in Verbindung gebracht werden und jenen, die Solidarität mit den von Repression Getroffenen gezeigt haben. Wir sprechen nicht über einen einzelnen Fall, sondern über eine Tendenz von Verhaftungen, schwerer Folter, Leute zur Kooperation zu zwingen und eine anarchistische Bewegung aus Russland hinaus zu drängen. Was passiert gerade? Wie Solidarität zeigen? Gibt es noch so etwas wie eine anarchistische Bewegung in Russland? Und jede andere Frage über die Situation in Russland, die du immer schon fragen wolltest.)

Samstag, 11.05.2019 · 14:30 Uhr
Raum 3:
Adbusting
Buchvorstellung und Diskussion mit dem Berlin Buster’s Social Club
Unerhört! Mit Adbustings gegen die Gesamtscheiße? Adbusting bezeichnet eine Aktionsform, bei der öffentliche Werbeflächen manipuliert werden. Die Variationen der Adbustings reichen von offensichtlichen Störelementen bis hin zu raffinierten Fälschungen: Im Ergebnis wirbt die Bundeswehr etwa für’s Töten oder ein Model kommentiert genervt sexistische Kleiderordnungen – auf Werbeflächen, die eigentlich für das Gegenteil bestimmt waren. Der Vortrag regt zur Diskussion über Werbung im Allgemeinen und die Chancen und Risiken von Adbusting für eine emanzipatorische Politik im Speziellen an.
Der BBSC ist ein loser Zusammenschluss von Fotograf*innen, die sich der Dokumentation von Adbustings verschrieben haben. Wem’s gefallen hat, nimmt gegen Spende gern eins von unseren frisch erschienen Bilderbüchern mit!

Samstag, 11.05.2019 · 14:30 Uhr
Aufbruch am Jugendkulturzentrum forum (unterer Eingang), Neckarpromenade 46, 68167 Mannheim:
Immobilienpoker in Neckarstadt-Ost
Kritischer Stadtteilspaziergang von und für das Offene Stadtteiltreffen Neckarstadt
Es gibt in Neckarstadt-Ost noch Wohnungen zu 5-6/qm kalt; durch Verdrängung von Altmieter*innen und bei Neuvermietung zu ca. 12-14/qm kalt steigen im ganzen Viertel dank „ortsüblicher Vergleichsmiete“ (Mietspiegel) auch die Bestandsmieten – also auch eure Miete! Neckarstadt-Ost gilt als beliebter Stadtteil und hat bereits einige Skandalgeschichten mit Investor*innen und anderen Vermieter*innen erlebt – leider wiederholt sich aktuell einiges. Die Gefahr von Verdrängung und Entmietung betrifft alle Mieter*innen! Dieser Stadtteilspaziergang führt an diversen betroffenen Häusern vorbei.
Oft folgt nach dem Verkauf eine Mieterhöhung von bis zu 20%, so wie andere Maßnahmen zur Verdrängung der Altmieter*innen.

Samstag, 11.05.2019 · 16:00 Uhr
Raum 3:
Martin Baxmeyer: Amparo Poch y Gascón · Biographie und Erzählungen aus der spanischen Revolution
Buchvorstellung und Lesung mit Lou Marin
Amparo Poch y Gascón (1902-1968) war eine der drei Gründerinnen der anarchistischen Frauenorganisation Mujeres Libres während der spanischen Revolution. Sie kämpfte für die freie Liebe ebenso wie für gleichen Zugang von Frauen zum Arbeitsprozess.
Als Ärztin leitete sie ein Feldlazarett vor Madrid und als Mitarbeiterin von Federica Montseny im Gesundheitsministerium organisierte sie die massenhafte Evakuierung von Kindern ins Ausland.
Die anarchistische Literatur vollzog in der spanischen Revolution einen „nationalistischen Schwenk“, den Amparo Poch nicht mitmachte. Sie schrieb weiterhin in ihrem herrschaftskritischen und lebensbejahenden Stil. Davon zeugen ihre ironisch-satirschen Erzählungen, die in der Zeitschrift Mujeres Libres erschienen, im Anhang dieser Biographie erstmals in deutscher Übersetzung vorliegen.

Sonntag, 12.05.2019 · 10:00 Uhr
Raum 3:
Kraftwerksblockade – Schadensersatzklage
Bericht und Diskussion
2017 blockierten eine handvoll Aktivist*innen das Braunkohle-Kraftwerk Weisweiler und zwangen RWE das Großkraftwerk über mehrere Stunden auf Sparflamme herunterzufahren. Nun verklagt RWE fünf Aktivist*innen und einen Journalist auf zwei Millionen Euro Schadensersatz. In diesem Input sprechen wir über die vielfältigen Aktionsformen der Klimagerechtigkeitsbewegung, über die Aktion, ihre Wirkung und ihre Konsequenzen. Über die Frage wie es danach weitergeht und wie Menschen evtl. mit so einem Schuldenberg umgehen können.

Gaidao-Sonderausgabe mit ausführlichem, kommentiertem Programm 2019

Qualitätsoptimiertes PDF für schnelleren Download (6,9 MB)

Ergänzend hier der Text zur Veranstaltung mit Klaus Kempter, der uns leider nicht rechtzeitig für die Gaidao-Programmausgabe erreicht hat:

Warum sollten Anarchist*innen Marx lesen?

Nach der Finanzkrise von 2008 und der darauf folgenden weltweiten Wirtschaftskrise schien es eine Zeitlang so, als ob eine Renaissance des Urvaters der Kapitalismus-Kritik anstünde. In den Massenmedien und etlichen Büchern wurde darüber reflektiert, ob von Marx doch noch etwas zu lernen wäre, ja, ob er am Ende mit seinen radikalen Diagnosen vielleicht sogar Recht behalten habe. Debatten über die generelle Krisenhaftigkeit des Kapitalismus, über soziale Ungleichheit und neue Klassenteilungen (die 99 gegen die 1 Prozent), aber auch über weltweite Ungerechtigkeit und Ausbeutung, eine aus dem Ruder gelaufene Globalisierung etc. bezogen den Namen Marx ein; neu entstandene kapitalismuskritische Gruppen und Publikationen beriefen sich auf Marx; zum 200. Geburtstag 2018 erschienen Biographien, Artikelserien, Fernsehfeatures, in denen Marx für unterschiedliche politische Botschaften genutzt wurde. Allerdings steht durchaus in Frage, ob dies alles die Aktualität des Marxschen Denkens beweist oder ob es sich nicht vielmehr um eine der kulturindustriellen Moden handelt, die von Zeit zu Zeit die liberalen Feuilletons und den linken Politizismus überschwemmen.
Ob Marx heute noch etwas Bedeutendes zu sagen hat, was das gegebenenfalls sein könnte, und welche Teile seines Werkes man – wenn man nicht gerade historisch-antiquarisch interessiert ist – getrost ungelesen lassen kann, soll in dem Vortrag und der anschließenden Diskussion zur Sprache kommen.